Veröffentlicht am 23. Januar 2025 von Katja Müller in der Schweriner Volkszeitung
Mit einer Klimawaldpatenschaft setzt die Großbäckerei ein Zeichen für Nachhaltigkeit und Naturschutz.
Sie sind rundlich geformt oder unregelmäßig kantig. Ihre Grundfarbe ist Gelb, nur die sonnenbeschienene Seite färbt sich rötlich. Besonders ist ihr typisch säuerlicher Geschmack und das intensive Aroma. „Ein sehr guter Backapfel“, sagt Ralf-Egbert Scharlaug und nimmt den Hochstamm vom Anhänger. Die Rede ist vom Boskop. Bis dieser aber die ersten Früchte trägt, wird es noch ein paar Jahre dauern. Denn erst einmal muss er an einem guten Platz in die Erde und dort Wurzeln schlagen.
Familienunternehmen packt beim Waldumbau mit an
Den Platz bieten Ralf-Egbert und Lesander Scharlaug vom gleichnamigen Forstunternehmen. Beim Pflanzen packen Isabelle Junge, Teamleiterin im Bereich Nachhaltigkeit bei „Junge – die Bäckerei“ und der Geschäftsführer Sebastian Klier mit an. Das Familienunternehmen hat sich dazu entschieden, beim Waldumbau in MV mitzuwirken. Nicht nur mit Spaten und Muskelkraft, sondern auch finanziell.
„Als Unternehmen haben wir Nachhaltigkeitsziele und die setzen wir unter anderem an dieser Stelle um. Das Projekt der Familie Scharlaug, einen Klimawald anzulegen, hat uns überzeugt“, erklärt Isabelle Junge. Das Rastower Forstunternehmen habe nicht nur die geeigneten Flächen, sondern auch die nötige Expertise, was das Thema Waldumbau betreffe.
„Der Standort im Revier ,Zachuner Land’ liegt an der Autobahn zwischen Hamburg und Berlin, wo man auch unsere Geschäfte finden kann“, fügt sie hinzu. Auch das sei ein klarer Pluspunkt. Isabelle Junge vertritt mittlerweile die fünfte Generation des Familienunternehmens.
Die Klimawaldpatenschaft umfasst den Waldumbau auf insgesamt sieben Hektar Wald-, Wiesen und Moorfläche. „Wir haben mit ,Junge – die Bäckerei’ einen starken finanziellen Partner für die kommenden 20 Jahre gefunden. Das ermöglicht uns, unter anderem den Nadelwald in einen klimaresistenten Dauer-Mischwald umzubauen“, erklärt Lesander Scharlaug.
Der Wald werde später nicht wie herkömmlich genutzt. Es werde geplentert. „Das bedeutet, wir ernten nur einzelne Bäume, die dann einer hochwertigen Nutzung zukommen“, so der Rastower. Gepflanzt werden in den kommenden Monaten unter anderem Trauben- und Stieleichen, Buchen und Hainbuchen sowie Winterlinden und Esskastanien. Ein Teil der großen Nadelbäume bleibe stehen, als Schutz.
Alte Baumstämme bieten Lebensraum für Waldtiere
Auch sogenannte Habitatbäume verbleiben auf den Flächen. „Wir haben hier ein Beispiel. Die Stämme der Birke sind gut 1,60 Meter hoch und bieten Höhlenbrütern und anderen Waldtieren einen Lebensraum. Sie werden nicht geerntet“, sagt Ralf-Egbert Scharlaug und zeigt auf entsprechende Stämme auf der nahezu kahlen Waldfläche.
Aufgeschlitzter Waldboden für besseres Wurzeln
Der Boden ist auf langen Bahnen aufgeschlitzt. „Das sieht etwas wild aus, aber die neuen jungen Bäume sollen hier gut wurzeln und dafür muss der Humus weg. Also nicht ganz, aber an den Stellen, wo gepflanzt wird“, sagt der Forst-Experte. Dort kommen bald die Laubbäume in die Erde. In diesen Tagen sind die Obstbäume dran. Neben dem Boskop-Hochstamm werden weitere Sorten einen Platz auf der großen Wiese bekommen. Bei den ersten fünf packten Sebastian Klier und Isabelle Junge mit an. Für die 28-jährige Unternehmerin ist es der erste Baum, den sie in ihrem Leben gepflanzt hat. „Es hat nicht nur Spaß gemacht, sondern es ist ein sehr erdendes Gefühl“. Wie viel Geld die Großbäckerei in das Projekt investiert, wollte sie nicht verraten.
Auf die Frage, warum das Unternehmen sich engagiert, hatte sie aber eine Antwort: „Es geht uns bei dieser Patenschaft nicht um den Eigennutzen, sondern viel mehr darum, einen Nutzen für die Allgemeinheit zu schaffen.“ So werden nicht nur weitere Pflanzaktionen folgen, sondern Wanderwege und Rastmöglichkeiten in dem Waldareal angelegt werden.
Weitere fachliche Expertise für das Klimawaldprojekt gibt es von der Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. „Wir haben eine sehr moorige Fläche in dem Revier und wollen nun mit den Experten aus Eberwalde schauen, ob eine Wiedervernässung des Moores möglich ist“, erzählt Lesander Scharlaug mit Verweis auf die CO²-Speicherung.
Alle Arbeitsschritte und Projekte sind auf der Internetseite klimawaldpatenschaft.de des Forstbetriebes einzusehen.