Klimawald bei Wöbbelin attraktiv für Unternehmen

Aufforstung und Waldumbau im Rahmen der Klimawaldpatenschaft der Fuchs Gruppe.
Veröffentlicht am 20. Dezember 2024 von Mayk Pohle in der Schweriner Volkszeitung

Pflanzprojekte für einen nachhaltigen Wald gibt es viele, doch zu einer Klima-Waldpatenschaft gehört noch viel mehr.

Der künftige klimaresiliente Wald im Laascher Forst ist mit 0,4 Hektar klein. Bei dem Waldstück, das an der viel befahrenen Straße zwischen Ludwigslust und Wöbbelin liegt, gehört bei den großen Lücken und gefällten Bäumen im Moment einiges an Fantasie dazu, hier den Wald der Zukunft zu vermuten. Genau das haben Ralf-Egbert Scharlaug und sein Sohn Lesander aus Rastow hier vor. Zusammen mit der Fuchs-Gruppe aus dem Raum Osnabrück haben die Waldbesitzer eine Klima-Partnerschaft über dieses kleine Waldstück abgeschlossen. Die Fuchs-Gruppe ist vor allem für ihre Gewürze bekannt. In diesen Tagen sind die ersten jungen Bäume in dem bisher recht ramponierten Waldstück gepflanzt worden.

Waldumbau wird viele Jahre dauern

Rieke Pennekamp, die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Fuchs-Gruppe mit 3200  Beschäftigten weltweit, ist für den Start des Waldumbaus mit ihren Kolleginnen Benita Schröder (Unternehmenskommunikation) und Sarah Pelke extra aus Osnabrück in den Laascher Forst gekommen. Zusammen mit den Forstleuten bringen sie an diesem Tag Eiben und Stieleichen in die Erde. Doch das ist nur der Anfang. In der nächsten Zeit sollen in diesem kleinen Waldstück nahe des Ludwigsluster Kanals 650 Bäume gepflanzt werden. „Die Bäume müssen sich dann gegenseitig erziehen. Der Standort ist gut, das wird hier bald ganz anders aussehen“, ist sich Waldbesitzer Scharlaug sicher. „Wir werden diesen Wald in einen Klimawald, einen Dauerwald mit Einzelbaubewirtschaftung umbauen. Das wird natürlich viele Jahre dauern.“

In 40 Jahren werden hier 385 Tonnen CO₂ gebunden

Sicherstellen sollen das 240 Stieleichen, 120 Traubeneichen, 80 Hainbuchen, 80 Winterlinden, zehn Rubinen, 50 Esskastanien und 30 Ulmen. Hinter dem ehrgeizigen Pflanzplan steckt ein forstwissenschaftliches Gutachten mit einer entsprechenden Co2-Bilanzierung, erstellt in Zusammenarbeit mit der Hochschule Eberswalde.  Aktuell bindet das kleine Waldstück 190 Tonnen Kohlendioxid. Binnen 40 Jahren soll diese Zahl auf 385 Tonnen steigen. Für die Fuchs-Gruppe ist dieses Klima-Wald-Projekt interessant genug, um nicht nur die fünfstellige Summe für den Kauf der Bäume zu übernehmen. Das Unternehmen steht auch im Grundbuch, die Patenschaft ist per Vertrag auf 20 Jahre festgelegt.

Fuchs-Gruppe wollte keine klassischen Pflanzungen

Rieke Pennekamp: „Wir machen das über unseren normalen Bemühungen hinaus, wir finden diese klassischen Kompensationsprojekte, wie es sie sonst auf der ganzen Welt gibt, sehr kritisch. Das hier ist für uns konkreter und auch nachhaltiger.“ So sei es zu diesem Projekt gekommen, das die Fuchs-Gruppe über ihre normalen Bemühungen hinaus unterstütze. „Das mit dem Grundbucheintrag gibt es sonst nicht.  Wir werden das hier weiter sehr intensiv und regelmäßig verfolgen und sehen, was in diesem Waldstück passiert.“

Waldstück nahe Wöbbelin hat harte Zeiten hinter sich

Das kleine Waldstück, das in der Nähe zur Gedenkstätte des KZ Wöbbelin liegt, hat harte Zeiten hinter sich. Stürme haben ihm sichtbar zugesetzt, Käfer haben Bäume geschädigt, die Birken fallen schon altersbedingt um, die Erlen haben Probleme, die Kiefern haben die Scharlaugs schon vor Jahren herausnehmen müssen. Dennoch steht noch einiges an Altbestand, das soll auch so bleiben, um den jungen Bäumen gute Startbedingungen zu bieten. In den ersten zehn Jahren werde man, so Ralf Egbert Scharlaug, wohl zweimal pro Jahr in den Wald gehen, zur Pflege, um den Aufwuchs der Bäume zu sichern. Dabei würden die Bäume, die andere bedrängen, herausgenommen. Die jungen Bäume sollen in drei Strukturen großgezogen werden.

CO₂-Emissionen sollen gebunden werden

All das passiert freiwillig, weder die Waldbesitzer noch das Unternehmen sind gezwungen, so etwas zu tun. „Allen dürfte aber klar sein, dass wir für unsere Wälder etwas tun müssen. Wir wollen sie rüsten gegen Trockenheit, gegen Schädlinge. Im Kern geht es darum, in den Wäldern mehr CO₂-Emissionen zu binden“, erläutert Sohn Lesander.

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